Warum ein Katamaran? Schwert- oder Kielkatamarane

Katamaran mit Schwertern oder lieber doch nicht?
Unsere Entscheidung für einen gebrauchten Katamaran fiel nicht leicht. Zum Einen sind wir sehr von den Segelleistungen eines Trimaran verwöhnt, zum Anderen ist das Raumgefühl eines „Kat“ unschlagbar.Da wir die glückliche Gelegenheit bekommen haben, einen sehr gut segelnden, gebrauchten Katamaran, Typ MARAM 36 zu übernehmen, sind wir 2008 umgestiegen.

Allgemein

Definition Katamaran: Boot mit zwei Rümpfen (kaṭṭumaram abgeleitet von kaṭṭu „Band, Bündel“ und maram „Baum“ = „Boot aus zusammengebundenen Baumstämmen“)

Wichtige Links zu Katamaranen im Allgemeinen:

Pro und Kontra bei Katamaran-Yachten

Pro:

  • Guter Lebensraum, keine Yacht-Kelleratmosphäre wie bei den meisten EInrumpfbooten
  • Getrennte Lebensbereiche (Privatsphäre)
  • Gute Segelleistungen über denen typischer Yachten (je nach Konstruktion)
  • Angenehmes Seeverhalten (wenig Krängung) im Vergleich zur Einrumpf-Yacht
  • Komfort vor Anker. Weniger Schwoien als bei Einrumpf-Yacht
  • Trockenfallen ist gut möglich. (die meisten Yachten die das sonst können, segeln schlecht)
  • Segel-Katamarane und Sicherheit:
    • die meisten Segel-Katamarane sind unsinkbar. Sandwich, Ausschäumungen und ggfs. Kollisionsschotts sorgen dafür. Und kein Kielgewicht zieht das Boot in die Tiefe wie das bei Yachten sonst der Fall ist!
    • zwei Motoren bedeuten doppelte Sicherheit
    • Kielkatamarane und die meisten Schwertkatamarane erlauben problemloses Trockenfallen
    • Der Katamaran hat zwei Ruder. Diese Redundanz bringt Sicherheit
    • Manövrieren in engen Häfen ist leicht, weil der Katamaran mit 2 Motoren auf dem Teller dreht
    • selbst bei hoher Geschwindigkeit läuft ein Katamaran nicht aus dem Ruder

Kontra:

  • Platzbedarf in Häfen

Segel-Katamaran mit Schwertern oder lieber doch nicht?

Kurzformel: Wenn Segelleistung das A & O ist, nimm Schwerter, möchtest du als Fahrtensegler mit dem Katamaran komfortabel sein, nimm einen Kielkatamaran.

Pro „+“ Katamaran mit Schwertern:

  • Tendentiell laufen Schwertkatamarane durch bessere hydrodynamische Formgebung des Schwertes besser Höhe. Im Vergleich schätze ich den Vorteil beim Höhelaufen des Schwert-Katamaran MARAM bzw. des Trimaran Corsair 28 gegenüber unserer Athena 38 auf 5° bis 10° Grad zum wahren Wind ein. Die VMG beim Kreuzen leidet durch das Kielkonzept etwas.
  • Beim Vorwindsegeln, aber auch beim Kreuzen kann eines oder beide Schwerter hochgeholt werden, so dass der Widerstand geringer wird, das Boot kann also schneller segeln.
  • Mit einem Schwertkatamaran reicht schon weniger als 1 Meter Wassertiefe zum Segeln. Das Tiden-Zeitfenster für das Segeln hinter den Inseln wächst damit signifikant.

Kontra „-“ Katamaran mit Schwertern:

  • Schwerter haben besonders bei Katamaranen den Nachteil, dass sie vor dem Wind zu „rumpeln“ anfangen. Man muss dann das Luvschwert hochholen, damit das Leeschwert beim Segeln immer Druck hat.
  • Beim Trockenfallen ist gerade bei einem Schwert-Katamaran sehr darauf zu achten, dass der Untergrund „rein“ ist. Ein Zweitanker verhindert, dass man durch den Tidenstrom auf dem eigenen Anker aufsetzt, wodurch der Katamaran schwer beschädigt werden könnte. Die Schwerter sollten wirklich ganz hochzuholen sein, damit sie nicht mechanisch leiden, wenn Katamaran aufsetzt oder kurz vor dem Trockenfallen noch etwas über den Grund schrappt.
  • Der Maximaltiefgang (Schwerter ganz unten für bestes Höhelaufen) ist grösser.
  • Beim Trockenfallen ist es „laut“, weil die Geräusche des Aufsetzens und Treibens sich über den Rumpf innen regelrecht verstärken.

 

Pro „+“ Kielkatamaran:

  • Der Kielkatamaran ist robuster, z.B. beim Trockenfallen. Man braucht man sich beim Trockenfallen nicht so sehr zu sorgen, ob der Untergrund auch frei von Steinen, Pfahlresten usw. ist. Auch passiert beim Kielkatamaran nichts, wenn man über den Anker treibt.
  • Der Innenraum wird nicht durch den Schwertkasten eingeschränkt.
  • Die Bedienung der Schwerter, die doch recht anspruchsvoll und anstrengend sein kann, entfällt.
  • Das Gerumpel der Schwerter entfällt.
  • Der Maximaltiefgang ist durch die Formgebung der Kiele nicht so gross wie beim Schwertkatamaran. Während z.B. die MARAM 36 einen Maximaltiefgang von 1,8 Meter hatte, hat unsere Fountaine Pajot Athena 38 nur 1 Meter Tiefgang. Wenn also beide bei einer Wassertiefe von nur 1,5 Meter kreuzen sollen, entfällt der Vorteil im Höhelaufen des Katamarans mit Schwertern, weil der optimale Lateralplan nicht genutzt werden kann, weil die Schwerter nicht voll ausgefahren werden können.

Kontra „-“ Kielkatamaran:

  • Der Tiefgang der Kiele schränkt das Zeitfenster im Tiden-Revier ein. Auch kann man z.B. im Wattenmeer nicht so hoch trockenfallen.


Fazit:

Auch wenn man in der „zwei Boote sind eine Regatta“ Situation auf optimales Höhelaufen verzichten muss, vermissen wir die Schwerter ausschliesslich beim Trockenfallen, weil es halt nicht mehr ganz so hoch funktioniert. Allerdings kann ich definitiv ruhiger schlafen, weil die Sicherheit beim Trockenfallen besser ist, und das Geräuschniveau beim Trockenfallen mit dem Kielkatamaran eindeutig viel niedriger ist. Bei unserer Athena 38 „CALISTA“ bekomme ich das Nachts oft gar nicht mehr mit, wenn wir aufsetzen.

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